Die TeLMI-Seiten

Ich habe einen Traum: Demnächst in meinem Leben? - Paging in Mexico

Was ist TeLMI? (Home)

Ich habe einen Traum...
(Paging in Mexico)

Mein TeLMI

Klaus Wegener gab mir diese Beschreibung über Paging in Mexico, die ich unverändert dokumentieren möchte. So schön könnte ein Pagingsystem sein.

In Nord-, Mittel- und Südamerika ist Paging weit verbreitet. In den USA gibt einen der größten Paging-Netzbetreiber weltweit: SkyTel (http://www.skytel.com). SkyTel betreibt ein FLEX-Netz in den USA und hat Tochterfirmen in allen lateinamerikanischen, in einigen asiatischen Ländern sowie auf Malta (!). 

Fast alle diese Netze (zumindest die in Nord-, Mittel- und Südamerika) arbeiten auf derselben Frequenz (irgendwo bei 930 MHz). Alleine durch diese Tatsache ist Roaming sehr einfach zu realisieren und wird häufig genutzt. Es gibt einige Tarifvarianten, in denen Roaming schon als Grundservice eingeschlossen ist.

Ich möchte in diesem Artikel über SkyTel Mexico (http://www.skytel.com.mx) berichten, da ich dieses Netz längere Zeit genutzt habe.

SkyTel Mexico bietet, neben "normalen Verträgen", sogenannte Rubbelkarten an ("SkyCard"). Man kauft einen (subventionierten) Pager und erhält eine erste Rubbelkarte. "SkyCard"s, so heißen die "Rubbelkarten", kosten, je nach Variante, zwischen 15 und 30 Mark und sind, je nach Variante, 30 bis 40 Tage gültig. Dies entspricht einer Monatsgebühr, wahlweise, zwischen 10 und 30 DM, eventuell (bei Zusatz-Services) auch höher. Die angebotenen Services sind einfach genial und zeigen, was man aus "Paging" alles herausholen kann. 

Erster Vorteil: die Pager-Nummer liegt im Festnetz von Mexico-City. Man hat nur eine Nummer, ohne zusätzliche, 3 bis 4 verschiedene Vorwahlen, wie es (noch) in Deutschland üblich ist. Ruft man die Pager-Nummer an, kann man zwischen folgenden Optionen auswählen: 1# -> Operator, 2# -> Numerikruf per DTMF, 3# -> Voicebox besprechen. Abhören der Voicebox findet über dieselbe Fest-Netznummer mittels eines Geheim-Codes statt. Die Alarmierung bei neu eingelangter Voice-Message erfolgt über Tonruf, was für den Zweck jedoch vollkommen ausreichend ist. 

Zweiter entscheidender Vorteil: die Zeichenlänge der Messages ist unbegrenzt: sie hängt lediglich vom Speicher des verwendeten Endgerätes ab. Ich z. B. hatte einen Motorola Timeport T350, welcher bis zu 1000 Zeichen pro Nachricht fasste. Wurde in diesem Fall eine zweite Nachricht empfangen, wurde die erste (1000 Zeichen lange message) gelöscht. Es gibt auch Empfänger, z.B. den Motorola Advisor Grafix, die so einen großen Speicher haben, daß die Zeichenlänge keine Rolle mehr spielt.

Je nach Preis der Rubbelkarte bekommt man wahlweise für den Operator auch eine 0800-Nummer, die  kostenlos erreichbar ist. 

Den Operator anrufen und ihm eine Nachricht durchgeben, ist dort die normalste Sache der Welt. Pager sind sehr weit verbreitet. Fast jeder besitzt einen Pager. Mobiltelefone sind zugegebenermaßen auch weit verbreitet, aber: SMS können nur netzintern MO (mobile originated) versandt werden. Man muß also ein Mobiltelefon des selben Netzbetreibers haben, um SMS versenden zu können. Und man muß sie in die Tastatur des Mobiltelefons eintippen, eine andere Möglichkeit des Versands gibt es nicht. Zudem ist es teuer, Mobiltelefone anzurufen. Je nach Tarif kann der Besitzer entscheiden, ob er über eine Mehrwert-Nummer erreichbar ist (so wie bei uns, Anrufer zahlt drauf) oder über eine Festnetznummer (dann muß der Angerufene draufzahlen). Einen Pager erreicht man jedoch immer zum Festnetztarif (oder sogar kostenlos über 0800-Nummer) ohne daß dem Besitzer für den Empfang Kosten entstehen. Zudem stehen in Mexico City etwa alle 50 Meter Telefonzellen in der Gegend rum, bzw. genauer gesagt sind es an den Wänden befestigte Apparate (DTMF-fähig), über die jeder eine message senden kann. Entweder einen Numerik-Ruf, eine Nachricht in der Sprachbox hinterlassen oder über Operator eine unbegrenzt lange Text-Nachricht aufgeben (wenn es doch mal gerätebedingt ein Limit geben sollte, teilt der Operator die Nachricht in mehere Teilnachrichten auf). 

Ist der Zeitraum der "Rubbelkarte" abgelaufen, kaufte man sich eine neue Rubbelkarte, löst diese direkt ein oder setzte mal ein paar Wochen oder Monate aus und war halt nicht mehr erreichbar. 
Jeder Pager hat zudem noch ein e-Mail Postfach mit e-mail Adresse, ähnlich "Hotmail" oder "GMX", aber halt mit Pager-Benachrichtigung und voller UMS-Funktionalität (Weiterleitung an andere e-mail Adressen etc.).

Und noch ein Wort zu den Laufzeiten der Messages: ich persönlich war, als langzeitiger T-Mobil/e*message-Kunde sprachlos, was die Laufzeit der Nachrichten anging: verschickte man eine Numerik-Nachricht per DTMF, war diese oftmals eher beim Empfänger, als man den Telefonhörer wieder aufgelegt hatte. Beim Internet-Paging war die Nachricht beim Empfänger angekommen, ehe die Rückmeldung vom Server kam ("Nachricht wurde erfolgreich angenommen"). Es handelt sich bei SkyTel Mexico um Paging in Echtzeit ohne merkenswerte Laufzeit!

Ein weiterer Service war natürlich "message-resend" (leider nur der letzten 99 Stunden), welcher über Operator oder Internet durchgeführt werden konnte. 99 Stunden kann für Mexico zwar etwas wenig sein, es ist ein riesengroßes Land und es gibt durchaus Teile von Provinzen, auch Städte, welche noch nicht versorgt sind. Reiste man dorthin und hielt sich länger als 99 Stunden dort auf, waren Nachrichten natürlich verloren. Was aber nicht die Regel ist. In versorgten Gebieten, z.B. in Mexico-City, war Empfang auch in der U-Bahn möglich, trotz der hohen Frequenz (930 MHz).

Betreffend der Roaming-Optionen sei noch anzumerken, daß man die Auswahl zwischen zwei zusätzlichen Optionen hat, welche man buchen kann: "FollowMe" und "ReachMe". "FollowMe" ermöglicht den Empfang im Ausland. "ReachMe" hingegen ermöglicht, über einen lokalen Operator in einem anderen Land erreichbar zu sein. Beispiel: Man ist Kunde von SkyTel Mexico und hat als "ReachMe"-Länder Argentinien, Peru und USA ausgewählt. Somit wird erreicht, daß ein Anrufer in Buenos Aires (Argentinien), in Lima (Peru) oder in den USA den SkyTel-Operator des jeweiligen Landes anrufen kann (der ja im Festnetz sitzt) und über ihn eine Nachricht an den Kunden von SkyTel in Mexico senden kann

Meine Ausführungen bezogen sich jetzt übrigens auf "One-Way-Paging". SkyTel bietet auch "Two-Way-Paging" an, habe ich aber nicht getestet. "Two-Way-Paging" wird dort im Moment sehr stark vermarktet, ist aber auch um einiges teurer als "One-Way-Paging". Es wird seine Anwender finden, gerade für mobiles e-mail - aber One-Way-Paging wird dort so schnell nicht sterben...

Wie gesagt, diese guten Services führen dazu, daß in Mexico fast jeder einen Pager hat. Oftmals laufen die Menschen auch mit Mobiltelefon und Pager am Gürtel rum - ein gängiges Bild. Ähnlich ist es in den USA und in allen anderen lateinamerikanischen Ländern, wo ich ähnliche Erfahrungen gemacht habe. Handys gibt es dort überall zwar auch, diese können oftmals auch SMS, aber oft nur netzintern und kompliziert über Tastatur-Eingabe (SMS-MO). Das Handy ist halt zum telefonieren da, der Pager für messaging. 

Wenn Paging hier in Deutschland mit diesen Services, die es dort gibt, aufkäme, hätte es auch mehr Erfolg. Aber hier sind die Leute halt daran gewöhnt, ein Handy "für lau" zu bekommen und einmal im Jahr 50 Mark aufzuladen. Somit haben die GSM-Betreiber den Paging-Markt kaputt gemacht. 15 bis 30 Mark im Monat würde hier heutzutage keiner mehr für einen guten Paging-Dienst ausgeben. Außer einigen wenigen vielleicht, wie mir, denen es die Sache wert ist.



Thomas Schöneborn
Stand: 15.12.2001
(überarbeitet 31.01.04)