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Mein TeLMI

Meine TeLMI-Geschichte

Meinen TeLMI habe ich im Herbst 1997 von einem Freund gebraucht erstanden. Er hat ihn mir zum Preis von 50 DM verkauft, weil er sich einen TeLMI Pro Kompakt mit bundesweiter Rufzone (ebenfalls gebraucht) besorgt hat.

Schon vorher fand ich die numerischen Scalls, die von der Telekom massiv beworben wurden, interessant. Die Möglichkeit, Texte und nicht nur Nummern zu empfangen, war allerdings ungleich attraktiver für mich. So bin ich dann bei TeLMI gelandet.
Bald gab es die Möglichkeit, Emails an das Gerät zu schicken, was dazu führte, dass die Zahl der bei mir eintrudelnden Nachrichten sprunghaft anstieg. Ich fing an, im Internet nach einem Emaildienst zu suchen, der eine Benachrichtigung ermöglichte. Bei Yahoo stieß ich auf GMX, damals noch klein und mit einer unsagbar häßlichen Oberfläche. Also bin ich auch GMX-Kunde geworden und ließ nun alle meine Emails dorthin weiterleiten, um mich benachrichtigen zu lassen. Mein TeLMI Fun wurde ein treuer Begleiter und rappelte fröhlich vor sich hin.

Ein anderer Bekannter hatte sich kurz nach meinem TeLMI-Erwerb einen Skyper gekauft. Der Vergleich ging zumindest in meinen Augen klar zu meinen Gunsten aus, war mein Gerät doch kleiner, konnte längere Nachrichten empfangen, hatte größere Rufzonen und die Nachrichtenübermittlung war letztlich sogar billiger. Der größte Vorteil damals war für mich aber das konfigurierbare Email-Gateway, bei dem man genau einstellen konnte, welche Nachrichten man wie erhalten will. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das meinen Bekannten wirklich überzeugt hat, allerdings benutzte er seinen Skyper nicht lange aktiv und hatte bald ein Handy.

Zu der Zeit hab ich ab und zu in einem kleinen Computerladen gearbeitet, und wenn Not am Mann war, erschien die Telefonnummer des Geschäfts auf meinem Display. Immer hat mich mein damaliger Chef zuverlässig erreicht, bis auf ein Mal, aber da war er wohl selbst schuld dran.

Erinnert sich noch jemand an die Fußball-WM 1998? TeLMI hatte damals ein Gewinnspiel über den Infokanal veranstaltet, wer die richtige Anzahl Tore im Endspiel rät, konnte 200 DM gewinnen. Wer gewonnen hat? Seht einfach selbst... Neben dem Geldpreis gab es noch eine schicke Brieftasche, die heute Schweizer Franken beherbergt.

Im Spätsommer 1998 ging ich allein auf eine Fahrradtour, meinen TeLMI natürlich dabei. So war ich für Freundin und Freunde erreichbar, soweit Funkversorgung bestand, aber das war kein Problem, nach einem größeren Funkloch konnte ich immer bei TeLMI anrufen und mir die Nachrichten nachschicken lassen. Zum Glück ist mein Memo Express bei Selectric so konfiguiert worden, dass er nach einer halben Stunde ohne Empfang das Anntennensymbol anzeigt. Froh war ich darüber, kein Handy zu haben, denn so hatte ich auf der Tour meine Ruhe und konnte mich melden, wenn ich Lust dazu hatte.

Der ungewöhnlichste Ort, an dem ich auf der Reise eine Nachricht erhalten habe, war wohl die kleine Fahrradbrücke zwischen Deutschland und Frankreich in Rheinnähe bei Karlsruhe. Dort machte eine Radfahrergruppe direkt auf der Grenze Mittagspause und ich gesellte mich zu ihnen. Plötzlich klingelt es aus meiner Lenkertasche und die Leute riefen: "Aha, der Student hat ein Handy!" Natürlich protestierte ich und versuchte zu erklären, was denn das für ein kleines Gerät sei. Ich glaube nicht, dass damals jemand den Unterschied verstanden hat.

Wenn ich zurückdenke, ist es erstaunlich, wieviele Infos ich zuallererst über den Nachrichtenkanal von TeLMI erfahren habe. Nicht vergessen kann ich die Nachricht über das Zugunglück in Eschede. "100 Tote" wurde dort vermeldet, was sich dann leider bewahrheitete.

Im letzten Jahr dann entschied ich mich für den Emailpager, um mich für eine "Flatrate" über alle neuen Emails benachrichtigen zu lassen. Das wurde daraufhin das Haupeinsatzgebiet für meinen TeLMI, gingen die persönlichen Nachrichten mittlerweile gegen Null. Ja, auch ich habe mir zwischenzeitlich ein Handy zugelegt (wenn auch eher durch Zufall) und auch ich nutze es zum Angerufen werden und für SMS. Mein TeLMI war trotzdem immer noch ein Begleiter und oft hatte ich nur ihn statt des Handys dabei, oft auch andersrum, mein TeLMI blieb zu Hause und zeigte mir nach der Rückkehr die neuen Emails an.

Wie gut sich TeLMI und Handy manchmal ergänzen können, mag folgendes Beispiel zeigen: Ich hatte den Tag über Emailkontakt mit jemandem in Holland gehabt, und war dann am späten Nachmittag auf dem Weg in die Stadt. Währenddessen erhielt ich die Email: "Sitzt du noch am Computer?", die der TeLMI in voller Länge (nicht nur das Subject!) anzeigte. Ich schrieb über das Email-Gateway von D2 zurück, dass ich unterwegs sei. So ging es noch ein, zwei Mal hin und her und in dem Moment war ich froh, meinen TeLMI bei mir gehabt zu haben.

Ende Oktober hatte ich mit dem Freund, von dem ich mein Gerät gekauft hatte, ausgehandelt, dass er mir auch seinen TeLMI Pro Kompakt verkauft. Mir war die bundesweite Rufzone und die Nachrichtenlänge von 235 Zeichen nun doch wichtig geworden. Er benutzte sein Gerät schon länger nicht mehr, mangels eintreffender Nachrichten, und aufgrund des Handys, das er sich günstig zugelegt hatte. Doch bevor wir den Kauf abwickeln konnten, erschien über den Infokanal wieder eine Nachricht: "Leider müssen wir ihnen mitteilen, dass auch der TeLMI-Dienst eingestellt wird..."

Am 3. Januar 2002 erschien dann das Antennensymbol im Display, Zeichen dafür, dass es nie wieder eine Nachricht geben würde.



Thomas Schöneborn
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Stand: 31.01.2004